Familie vor Schweizer Wohnhaus beim Vergleichen von Dokumenten
Veröffentlicht am März 15, 2024

Für den gutverdienenden Mittelstand ist der Umzug von Zürich in ein Steuerparadies wie Pfäffikon SZ oft eine Nullrechnung oder sogar eine Kostenfalle.

  • Die Steuerersparnis wird durch signifikant höhere Mieten und Pendlerkosten häufig vollständig aufgefressen.
  • Die reine Fokussierung auf den Steuersatz ignoriert die „unsichtbaren Preisschilder“ wie Infrastrukturqualität und soziale Kosten.

Empfehlung: Führen Sie eine detaillierte Gesamtkostenrechnung durch, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Unter 150’000 CHF Jahreseinkommen ist ein Umzug selten rentabel.

Die hohe Steuerlast im Kanton Zürich ist für viele gutverdienende Angestellte ein ständiges Ärgernis. Jeden Monat einen beträchtlichen Teil des hart erarbeiteten Lohns an das Steueramt abzuführen, schmerzt. Der Blick wandert da schnell über den Zürichsee in den Kanton Schwyz, insbesondere nach Pfäffikon, das als eines der attraktivsten Steuerparadiese der Schweiz gilt. Die Verlockung ist gross: Gleicher Lohn, aber am Ende des Jahres bleiben Tausende von Franken mehr auf dem Konto. Ein Umzug scheint die logische, fast schon zwingende Konsequenz zu sein.

Die üblichen Ratschläge sind schnell zur Hand: Vergleichen Sie die Steuersätze, berücksichtigen Sie die Krankenkassenprämien und vergessen Sie den Umzugstermin nicht. Doch diese oberflächliche Betrachtung ist trügerisch. Sie gleicht dem Blick auf die Spitze eines Eisbergs, während die massiven Kostenblöcke unter der Wasseroberfläche ignoriert werden. Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel Steuern Sie sparen, sondern wie viel von dieser Ersparnis nach Abzug aller Mehrkosten tatsächlich übrig bleibt.

Wenn die wahre Formel zum Vermögensaufbau nicht die Minimierung des Steuersatzes, sondern die Maximierung des frei verfügbaren Einkommens ist? Dieser Artikel durchbricht die Illusion des reinen Steuervergleichs. Als Ihr pragmatischer Berater führe ich Sie durch eine knallharte Analyse und zeige Ihnen, warum die vermeintliche Steuer-Arbitrage für den Mittelstand oft nicht funktioniert. Wir sezieren die Gesamtkosten-Falle, bewerten die „unsichtbaren Preisschilder“ und definieren das exakte Break-Even-Einkommen, ab dem sich der Schritt überhaupt erst lohnen könnte.

In den folgenden Abschnitten analysieren wir Schritt für Schritt die finanziellen und qualitativen Faktoren, die bei dieser wichtigen Lebensentscheidung eine Rolle spielen. Diese detaillierte Aufschlüsselung ermöglicht es Ihnen, eine fundierte, auf Fakten basierende Entscheidung zu treffen, anstatt einer verlockenden Fata Morgana zu folgen.

Warum fressen hohe Mieten in Tiefsteuergemeinden den Steuervorteil oft auf?

Der erste und grösste Trugschluss beim Vergleich von Hoch- und Tiefsteuergemeinden ist die Annahme, dass alle anderen Lebenshaltungskosten gleich bleiben. Der Immobilienmarkt funktioniert jedoch nach einem einfachen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Eine hohe Nachfrage nach Wohnraum, angeheizt durch steuerlich motivierte Zuzüger, treibt die Mietpreise in die Höhe. In Gemeinden wie Pfäffikon SZ haben sich die Immobilienpreise längst an die steuerliche Attraktivität angepasst. Der Steuervorteil wird also nicht vom Staat, sondern vom Vermieter abgeschöpft. Dieses Phänomen ist der Kern der Gesamtkosten-Falle.

Man tauscht im Grunde eine hohe Steuerrechnung gegen eine hohe Miete. Für den Mittelstand ist dieser Tausch selten vorteilhaft, da die Wohnkosten einen überproportional grossen Teil des Budgets ausmachen. Hinzu kommen die Pendlerkosten. Wer weiterhin in Zürich arbeitet, muss die tägliche Fahrtzeit und die Kosten für ein Generalabonnement (GA) oder das Auto in die Kalkulation einbeziehen. Diese Ausgaben sind nicht nur finanzieller Natur, sondern stellen auch einen erheblichen Verlust an Lebenszeit dar.

Die folgende Vergleichsrechnung zeigt exemplarisch, wie schnell der Papiervorteil in der Realität schmilzt und sich sogar in einen Nachteil verwandeln kann. Die Analyse basiert auf einer typischen Mittelstandsfamilie und vergleicht die Hauptkostenblöcke zwischen einem urbanen Zürcher Quartier und der Tiefsteuergemeinde Pfäffikon SZ.

Kostenvergleich Zürich vs. Pfäffikon SZ für eine Mittelstandsfamilie
Kostenart Zürich-Oerlikon Pfäffikon SZ Differenz
Jahressteuer (120k CHF) 18’500 CHF 11’200 CHF -7’300 CHF
4.5-Zi-Wohnung/Jahr 24’000 CHF 32’400 CHF +8’400 CHF
Krankenkasse Familie 12’800 CHF 11’600 CHF -1’200 CHF
Pendlerkosten (GA) 0 CHF 3’860 CHF +3’860 CHF
Netto-Ersparnis -4’160 CHF

Wie diese von Comparis inspirierten Berechnungen verdeutlichen, führt der Umzug in diesem Szenario trotz einer Steuerersparnis von über 7’000 CHF zu einem jährlichen Nettoverlust von mehr als 4’000 CHF. Die höhere Miete und die Pendlerkosten neutralisieren den Steuervorteil vollständig.

Wie gut sind Schulen und Kitas in Gemeinden mit extrem tiefen Steuern?

Ein tiefer Steuersatz bedeutet unweigerlich geringere Einnahmen für die Gemeinde. Dies wirft eine kritische Frage auf, insbesondere für Familien: Geht die Steuerattraktivität auf Kosten der öffentlichen Dienstleistungen wie Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen? Dies ist eines der „unsichtbaren Preisschilder“, die in einer reinen Excel-Kalkulation nicht auftauchen. Es besteht das Risiko, dass in eine weniger gute Infrastruktur, grössere Schulklassen oder ein mangelndes Betreuungsangebot investiert wird, was langfristig die Entwicklungschancen der Kinder beeinträchtigen kann.

Allerdings ist eine pauschale Verurteilung von Tiefsteuergemeinden nicht angebracht. Eine gute Gemeindeführung kann auch mit einem schlanken Budget eine hohe Qualität sicherstellen. Starke Einnahmen aus der Unternehmensbesteuerung können die geringeren Beiträge der natürlichen Personen kompensieren. Es ist daher unerlässlich, nicht nur den Steuersatz, sondern auch die Qualität der kommunalen Infrastruktur genau zu prüfen. Dies erfordert Recherche: Wie sind die Schulen bewertet? Wie lang sind die Wartelisten für Kitaplätze? Wie hoch ist das Budget pro Schüler im Vergleich zu anderen Gemeinden?

Moderne Schweizer Schule mit spielenden Kindern im Pausenhof

Es gibt durchaus positive Beispiele. So zeigt etwa die Gemeinde Freienbach, zu der Pfäffikon gehört, dass beides möglich ist. Die Gemeinde investiert trotz des tiefen Steuersatzes kontinuierlich und substanziell in ihre Bildungseinrichtungen. Mit modernen Schulanlagen und einem überdurchschnittlichen Budget pro Schüler wird hier der Beweis angetreten, dass eine kluge Finanzpolitik Steueroptimierung und hohe Bildungsqualität erfolgreich miteinander verbinden kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung, anstatt von pauschalen Annahmen auszugehen.

Pauschal für Ausländer oder normal: Wer profitiert wirklich vom System?

Das Schweizer Steuersystem mit seinem föderalistischen Wettbewerb ist komplex. Die Unterschiede sind enorm; Analysen von Finanzexperten belegen eine Steuersatzdifferenz von bis zu 45% zwischen dem teuersten und dem günstigsten Kanton. Davon profitieren jedoch nicht alle gleichermassen. Das System ist degressiv konzipiert: Je höher das Einkommen und Vermögen, desto grösser ist der Hebel der Steuerersparnis. Ein Millionär, der seinen Steuersatz von 30% auf 15% halbiert, spart ein Vermögen. Ein Angestellter aus dem Mittelstand, dessen Ersparnis nominal deutlich geringer ausfällt, spürt die bereits diskutierten Mehrkosten für Miete und Pendeln ungleich stärker.

Ein weiterer Aspekt ist die Pauschalbesteuerung (Besteuerung nach dem Aufwand), die oft fälschlicherweise mit Tiefsteuergemeinden in Verbindung gebracht wird. Dieses Sonderregime steht jedoch nur vermögenden Ausländern ohne Erwerbstätigkeit in der Schweiz offen. Für den normalen, gutverdienenden Angestellten, egal ob Schweizer oder Ausländer, ist dieses Instrument irrelevant. Die relevante Frage ist daher: Ab welchem Break-Even-Einkommen übersteigt der Vorteil aus der ordentlichen Besteuerung die zusätzlichen Kosten?

Die Antwort ist nicht pauschal, sondern muss individuell berechnet werden. Als Faustregel gilt, dass sich ein Umzug aus rein finanziellen Gründen für eine Einzelperson oft erst ab einem steuerbaren Einkommen von ca. 150’000 CHF und für eine Familie ab ca. 200’000 CHF zu lohnen beginnt. Darunter ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in die Gesamtkosten-Falle zu tappen. Eine präzise Kalkulation ist daher unumgänglich.

Ihr Plan zur Break-Even-Berechnung: Lohnt sich der Umzug wirklich?

  1. Ist-Analyse: Ermitteln Sie Ihr aktuelles, exaktes steuerbares Einkommen und Vermögen gemäss Ihrer letzten Steuererklärung.
  2. Soll-Vergleich: Nutzen Sie einen Online-Steuerrechner (z.B. von VZ VermögensZentrum oder Comparis), um die exakte Steuerbelastung für Ihr Profil in Zürich und in Pfäffikon SZ zu vergleichen.
  3. Wohnkosten kalkulieren: Recherchieren Sie auf Immobilienportalen die tatsächlichen Mietkosten für eine vergleichbare Wohnung in Pfäffikon und berechnen Sie die jährliche Differenz zu Ihrer aktuellen Miete.
  4. Nebenkosten bewerten: Monetarisieren Sie die zusätzlichen Kosten wie Pendler-Abo (GA), längere Fahrzeit (Opportunitätskosten) und eventuell höhere Krankenkassenprämien.
  5. Fazit ziehen: Stellen Sie die Steuerersparnis den addierten Mehrkosten gegenüber. Nur wenn ein signifikanter positiver Betrag resultiert, wird der Umzug rentabel.

Das Risiko, dass in reinen Steuergünstigen Gemeinden das Dorfleben stirbt

Ein weiterer unsichtbarer Preis der reinen Steueroptimierung ist sozialer Natur. Gemeinden, die primär als „Schlafdörfer“ für Pendler aus den Wirtschaftszentren fungieren, laufen Gefahr, ihre soziale Kohäsion und ihr traditionelles Dorfleben zu verlieren. Wenn ein Grossteil der Einwohner nur zum Schlafen und Steuernsparen vor Ort ist, leidet das Engagement in lokalen Vereinen, der freiwilligen Feuerwehr oder der Gemeindepolitik. Die Identifikation mit dem Wohnort nimmt ab, was zu einer anonymen und funktionalen Siedlung führen kann, anstatt zu einer lebendigen Gemeinschaft.

Diese Entwicklung, oft als „Zugerisierung“ bezeichnet, beschreibt die Transformation einer Gemeinde durch den Zuzug von wohlhabenden, aber wenig integrierten Bevölkerungsschichten. Die sozialen Strukturen verändern sich, alteingesessene Bewohner fühlen sich fremd, und die Preise für den täglichen Bedarf steigen. Das gemütliche Café an der Ecke wird durch eine Kette ersetzt, der kleine Dorfladen schliesst. Für Familien, die eine lebendige, sichere und sozial intakte Umgebung für ihre Kinder suchen, kann dies ein erheblicher Nachteil sein, der durch keine Steuerersparnis aufgewogen wird. Die Frage ist also: Kauft man sich eine tiefe Steuerrechnung um den Preis der sozialen Verödung?

Diese Sorge wird auch von lokalen Politikern geteilt, die die langfristigen Folgen dieser Entwicklung kritisch sehen. Der Schwyzer SP-Politiker Jonathan Prelicz fasst diese Befürchtung prägnant zusammen:

Schwyz ist auf dem besten Weg, ein zweites Zug zu werden.

– Jonathan Prelicz, im Interview mit SRF

Diese Aussage warnt davor, dass der kurzfristige finanzielle Gewinn durch Steuersenkungen langfristig zu einem Verlust an Lebensqualität und Gemeinschaftsgefühl führen kann – ein hoher Preis für eine rein monetäre Optimierung.

Wann muss ich mich ummelden, damit ich für das ganze Jahr im neuen Kanton steuerpflichtig bin?

Nachdem die finanziellen und sozialen Aspekte abgewogen sind, kommt die administrative Umsetzung. Hier ist ein Punkt von entscheidender Bedeutung, da er einen direkten Einfluss auf die Steuerrechnung für das gesamte Umzugsjahr hat: der Stichtag. In der Schweiz gilt für die Besteuerung natürlicher Personen das Prinzip der zeitlichen Bemessung. Das bedeutet, dass Sie für das gesamte Steuerjahr in dem Kanton und der Gemeinde steuerpflichtig sind, in der Sie am 31. Dezember Ihren steuerrechtlichen Wohnsitz haben.

Ein Umzug von Zürich nach Pfäffikon SZ am 30. Dezember bedeutet also, dass Sie Ihr gesamtes Einkommen des Jahres zum tieferen Schwyzer Tarif versteuern. Ein Umzug am 2. Januar hingegen hätte zur Folge, dass Sie für das vergangene Jahr noch vollumfänglich in Zürich steuerpflichtig bleiben. Dieser eine Tag kann einen Unterschied von mehreren Tausend Franken ausmachen. Es ist daher von grösster Wichtigkeit, den Umzug und die offizielle Anmeldung bei der neuen Gemeinde präzise zu planen, um diesen Vorteil zu nutzen.

Die Steuerbehörden prüfen jedoch genau, ob es sich um einen echten oder nur um einen Scheinwohnsitz handelt. Eine reine Briefkastenadresse genügt nicht. Der Lebensmittelpunkt muss sich tatsächlich verlagert haben. Als Nachweis dienen der Mietvertrag, Strom- und Internetrechnungen am neuen Ort sowie eine Bestätigung des Arbeitgebers. Wer versucht, das System zu umgehen, riskiert eine empfindliche Nachbesteuerung und Bussen. Korrektheit und Transparenz gegenüber den Behörden sind hier unerlässlich, um den steuerlichen Vorteil nicht durch rechtliche Konsequenzen zunichtezumachen.

Warum finden Familien in Zürich und Genf kaum noch bezahlbare 4-Zimmer-Wohnungen?

Die Entscheidung für einen Umzug wird oft nicht nur durch die Verlockung eines Steuerparadieses, sondern auch durch den Druck am aktuellen Wohnort befeuert. In Metropolen wie Zürich und Genf ist der Wohnungsmarkt für Familien extrem angespannt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem, was die Preise in astronomische Höhen treibt. Bezahlbarer Wohnraum, insbesondere Wohnungen mit mehr als drei Zimmern, ist zur Mangelware geworden. Dieser Druck erzeugt einen starken Anreiz, das städtische Umfeld zu verlassen – die sogenannte „Stadtflucht“.

In Zürich manifestiert sich dieses Problem in harten Zahlen. Die offizielle Mietpreiserhebung zeigt eine anhaltend hohe Durchschnittsmiete, die für viele Familienbudgets eine grosse Belastung darstellt. Eine 4-Zimmer-Wohnung unter 3’000 CHF zu finden, gleicht einem Lotteriegewinn. Diese finanzielle Belastung ist der primäre „Push-Faktor“, der einen Umzug nach Pfäffikon überhaupt erst attraktiv erscheinen lässt. Man flieht vor den hohen Kosten in Zürich, in der Hoffnung auf niedrigere Kosten anderswo.

Paradoxerweise trifft man in den begehrten Zuzugsgemeinden auf ein ähnliches, wenn auch anders gelagertes Problem. Während in Zürich eine 4-Zimmer-Wohnung im Schnitt zwischen 2’800 und 3’500 CHF kostet, liegen die Preise in Pfäffikon SZ mit 2’400 bis 3’200 CHF nur unwesentlich darunter. Der entscheidende Unterschied ist jedoch die Verfügbarkeit. Der Markt in Pfäffikon ist viel kleiner, und die wenigen verfügbaren Objekte sind aufgrund der hohen Nachfrage durch Zuzüger aus Zürich sofort vergeben. Man tauscht also das Problem hoher Preise gegen das Problem eines extrem knappen Angebots. Wer nicht über exzellente Netzwerke oder pures Glück verfügt, sucht oft monatelang vergeblich.

Warum zahle ich Steuern auf ein Haus, in dem ich selber wohne?

Wer dem Mietmarkt entfliehen und stattdessen ein Eigenheim erwerben möchte, stösst auf eine weitere Schweizer Steuerspezialität: den Eigenmietwert. Dieses Konzept ist für viele, insbesondere für Zuzüger aus dem Ausland, schwer nachvollziehbar. Im Grunde besteuert der Staat ein fiktives Einkommen, das der Eigentümer erzielen würde, wenn er seine eigene Immobilie an einen Dritten vermieten würde. Man zahlt also Einkommenssteuer auf eine Miete, die man gar nicht erhält. Der Grundgedanke dahinter ist die steuerliche Gleichbehandlung von Mietern und Eigentümern.

Die Logik des Gesetzgebers ist wie folgt: Während Mieter ihre Miete aus bereits versteuertem Einkommen bezahlen müssen, könnten Eigentümer „gratis“ wohnen. Um diese Ungleichheit zu korrigieren, wird dem Einkommen des Eigentümers der Eigenmietwert hinzugerechnet. Im Gegenzug darf der Eigentümer jedoch die Hypothekarzinsen und die Unterhaltskosten von seinem steuerbaren Einkommen abziehen. Dieses System macht den Immobilienbesitz vor allem dann steuerlich attraktiv, wenn die Hypothek hoch und die Zinsen ebenfalls hoch sind. In der aktuellen Niedrigzinsphase hat dieser Vorteil jedoch stark abgenommen.

Detailaufnahme eines Hausschlüssels auf Holztisch mit unscharfen Dokumenten

Der Eigenmietwert wird von den kantonalen Steuerbehörden festgelegt und liegt in der Regel bei 60-70% der marktüblichen Miete. In einer Hochpreisgemeinde wie Pfäffikon SZ kann dieser fiktive Einkommenszuschlag beträchtlich sein und die Steuerrechnung unerwartet in die Höhe treiben. Insbesondere für Pensionäre, die ihre Hypothek bereits weitgehend amortisiert haben und deren Einkommen sinkt, kann der Eigenmietwert zu einer erheblichen Belastung werden, da sie kaum noch Schuldzinsen zum Abzug bringen können. Die politische Debatte um die Abschaffung dieses Systems läuft seit Jahren, eine Lösung ist jedoch nicht in Sicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der reine Steuervergleich ist irreführend; die Gesamtkostenrechnung (Miete, Pendeln) ist entscheidend.
  • Unter 150’000 CHF Jahreseinkommen ist ein Umzug in eine Tiefsteuergemeinde finanziell selten vorteilhaft.
  • Die Qualität der Infrastruktur (Schulen) und das soziale Leben sind „unsichtbare Kosten“, die berücksichtigt werden müssen.

Eigenheimfinanzierung: Wie viel „Tragbarkeit“ verlangt die Bank wirklich?

Der Erwerb eines Eigenheims in einer steuergünstigen Gemeinde ist der nächste logische Schritt für viele, die dem Mietmarkt entkommen wollen. Doch hier wartet die nächste hohe Hürde: die Finanzierung. Banken in der Schweiz unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben und prüfen die Kreditwürdigkeit anhand eines Konzepts, das als „Tragbarkeit“ bekannt ist. Diese Regel soll sicherstellen, dass der Kreditnehmer die Wohnkosten auch bei steigenden Zinsen langfristig tragen kann und die Bank vor Kreditausfällen geschützt ist.

Die zentrale Regel besagt, dass die kalkulatorischen Wohnkosten nicht mehr als ein Drittel des Bruttohaushaltseinkommens ausmachen dürfen. Der Knackpunkt liegt im Wort „kalkulatorisch“. Die Bank rechnet nicht mit den aktuellen, historisch tiefen Zinsen, sondern mit einem langfristigen, fiktiven Zinssatz von typischerweise 5%. Hinzu kommen ca. 1% für Nebenkosten und Unterhalt sowie die Amortisation der zweiten Hypothek. Ein Käufer muss also nachweisen, dass er die Kostenlast bei einem Zinsniveau von 5% stemmen könnte, auch wenn der reale Zinssatz vielleicht nur 1.5% beträgt. Diese strenge Berechnung erfordert ein sehr hohes Einkommen, insbesondere bei den hohen Immobilienpreisen in Gemeinden wie Pfäffikon SZ.

Die folgende Beispielrechnung für ein 2-Millionen-Franken-Haus in Pfäffikon SZ (ein realistischer Preis für ein Einfamilienhaus) illustriert, welches Einkommen die Bank für die Gewährung einer Hypothek von 1.6 Mio. CHF (nach 20% Eigenkapital) tatsächlich verlangt.

Tragbarkeitsrechnung für ein 2 Mio. CHF Haus (80% Hypothek)
Berechnungsfaktor Prozentsatz Jahresbetrag CHF
Kalkulatorischer Zins (auf 1.6 Mio. CHF) 5.0% 80’000
Amortisation (1% auf 1.6 Mio. CHF) 1.0% 16’000
Nebenkosten (1% auf 2 Mio. CHF) 1.0% 20’000
Total kalk. Kosten 116’000
Erforderliches Bruttoeinkommen (1/3-Regel) 348’000

Wie diese von Banken wie der UBS verwendeten Modelle zeigen, ist für den Kauf eines typischen Einfamilienhauses in einer Premium-Gemeinde ein Bruttoeinkommen von fast 350’000 CHF erforderlich. Diese Hürde ist für die meisten Angestellten des Mittelstands unerreichbar.

Die Tragbarkeitsprüfung ist die Nagelprobe für jeden Kaufwunsch. Die Regeln der Banken sind hart und bilden die Realität des Marktes ab.

Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen einen Umzug eine komplexe Abwägung, die weit über den reinen Steuersatz hinausgeht. Eine professionelle und ganzheitliche Finanzplanung ist der Schlüssel, um eine fundierte Entscheidung zu treffen, die Ihre finanzielle Zukunft sichert und Ihre Lebensqualität verbessert. Bewerten Sie Ihre Situation objektiv, um die für Sie passende Lösung zu finden.

Häufige Fragen zum Steuerwettbewerb zwischen den Gemeinden

Gilt wirklich nur der 31. Dezember als Stichtag?

In den meisten Kantonen ja. Ihr Wohnsitz am 31.12. bestimmt die Steuerpflicht für das ganze Jahr. Wichtige Ausnahmen sind die Kantone Nidwalden und Obwalden, die den 1. Januar als Stichtag haben, sowie der Kanton Freiburg, der die Steuerpflicht pro rata, also zeitanteilig, abrechnet.

Was passiert mit bereits geleisteten Vorauszahlungen?

Keine Sorge, das Geld ist nicht verloren. Die Gemeinde, aus der Sie wegziehen, wird Ihnen die zu viel bezahlten provisorischen Steuern nach der finalen Abrechnung zurückerstatten. Parallel dazu wird Ihnen die neue Wohngemeinde eine neue provisorische Rechnung für das betreffende Steuerjahr zustellen.

Kann das Steueramt meinen Umzug anzweifeln?

Ja, das kann es und wird es auch, wenn Indizien für einen reinen Scheinwohnsitz vorliegen, um Steuern zu sparen. Es ist entscheidend, dass sich Ihr tatsächlicher Lebensmittelpunkt verlagert. Halten Sie daher Beweise wie den neuen Mietvertrag, Strom- und Internetrechnungen sowie eine Bestätigung Ihres Arbeitgebers bereit, um den Umzug lückenlos belegen zu können.

Geschrieben von Thomas Hirschi, Thomas Hirschi ist ein erfahrener Wirtschaftsökonom und Finanzanalyst, spezialisiert auf die Schweizer KMU-Landschaft und Makroökonomie. Er berät Startups und Traditionsunternehmen in Fragen der Standortförderung, Finanzierung und Währungsstrategie.