Schweizer Präzisionstechnologie in der Hörakustik zeigt moderne Hörgeräte und Implantate
Veröffentlicht am Mai 16, 2024

Der globale Erfolg der Schweizer Medizintechnik basiert nicht auf Präzision allein, sondern auf einem widerstandsfähigen Ökosystem, das regulatorischen Druck in einen Wettbewerbsvorteil umwandelt.

  • Strenge Vorschriften wie die EU-MDR führen zu einer Marktbereinigung, die etablierte, qualitativ hochwertige Akteure stärkt.
  • Die einzigartige Dichte an Fachkräften, Forschungsinstituten und spezialisierten Zulieferern ermöglicht eine Innovationsgeschwindigkeit, die global schwer zu kopieren ist.

Empfehlung: Für Investoren liegt die Chance nicht darin, auf einzelne Produkte zu setzen, sondern in die strukturelle Resilienz und Anpassungsfähigkeit des gesamten Schweizer Medtech-Standorts zu investieren.

Die Schweizer Medizintechnik, von hochentwickelten Hörgeräten bis zu komplexen orthopädischen Implantaten, geniesst weltweit einen exzellenten Ruf. Dieser Erfolg wird oft auf die sprichwörtliche Schweizer Präzision und ein unerschütterliches Qualitätsbewusstsein zurückgeführt – ein Erbe der Uhrenindustrie. Doch diese Erklärung greift zu kurz. In einem globalen Markt, der von zunehmendem regulatorischem Druck, schnellen Technologiezyklen und intensivem Wettbewerb geprägt ist, reichen Tradition und Genauigkeit allein nicht aus, um eine Spitzenposition zu halten und auszubauen. Besonders die neuen, strengen EU-Vorschriften stellen viele Unternehmen vor massive Herausforderungen.

Die wahre Stärke und der Grund für die andauernde Revolution des globalen Gesundheitsmarktes durch Schweizer Akteure liegen tiefer. Sie sind das Ergebnis eines fein abgestimmten, sich selbst verstärkenden Ökosystems. Dieses Netzwerk aus hochspezialisierten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), globalen Konzernen, exzellenten Universitätskliniken und einem dualen Bildungssystem schafft eine einzigartige Wertschöpfungsdichte. Es ist diese Struktur, die es dem Sektor ermöglicht, regulatorische Hürden nicht nur zu überwinden, sondern sie als Katalysator für Innovation und Marktkonzentration zu nutzen. Anstatt nur zu fragen, *was* die Schweiz erfolgreich macht, analysiert dieser Artikel, *wie* die strukturellen Komponenten dieses Ökosystems zusammenwirken und warum dies für technologieorientierte Investoren von strategischer Bedeutung ist.

Dieser Beitrag beleuchtet die zentralen Säulen, die den Schweizer Medtech-Sektor antreiben. Wir analysieren die Herausforderungen und die strategischen Antworten der Unternehmen, von der Produktentwicklung bis zum Marktzugang.

Warum klagen Schweizer MedTech-Firmen über die neue EU-Regulierung?

Die Einführung der neuen europäischen Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR) hat für Schweizer Hersteller eine Welle von Herausforderungen ausgelöst. Die Klagen sind nicht unbegründet, denn die MDR erhöht die Anforderungen an die klinische Evidenz, die technische Dokumentation und die Marktüberwachung nach der Zulassung erheblich. Für Unternehmen bedeutet dies einen massiven Anstieg des administrativen und finanziellen Aufwands. Eine Studie zeigt die konkreten Auswirkungen: Laut der aktuellen Swiss Medtech Branchenstudie 2024 stiegen die Entwicklungskosten um 28 % und die Produktionskosten um 13 %.

Diese Kostenexplosion hat direkte strategische Konsequenzen. Viele Firmen sehen sich gezwungen, ihre Portfolios zu straffen und Nischenprodukte, deren Neuzertifizierung sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt, vom Markt zu nehmen. Die Studie belegt, dass 50 % der Schweizer MedTech-Unternehmen ihr Produktportfolio um durchschnittlich 20 % reduziert haben. Dieser Prozess ist schmerzhaft und führt kurzfristig zu Umsatzeinbussen. Er erfordert auch eine Umverteilung von Ressourcen: 80 % der Firmen mussten zusätzliches Personal für regulatorische Angelegenheiten einstellen, oft auf Kosten der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.

Aus Sicht eines Analysten ist dies jedoch mehr als nur eine Belastung. Es handelt sich um eine strukturelle Marktbereinigung. Unternehmen mit solider finanzieller Basis und hochrelevanten Produkten können die Hürden meistern und ihre Marktposition sogar stärken, während schwächere Wettbewerber verdrängt werden. Der „regulatorische Katalysator“ zwingt die Branche zu einer Fokussierung auf Produkte mit dem höchsten klinischen Nutzen und wirtschaftlichen Potenzial, was langfristig die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit der verbleibenden Akteure schärft.

Wie entwickeln Ingenieure und Chirurgen gemeinsam neue Instrumente?

Der Schlüssel zu bahnbrechenden Medtech-Innovationen liegt nicht allein im Labor, sondern in der unmittelbaren, iterativen Zusammenarbeit zwischen denjenigen, die die Technologie entwickeln, und denen, die sie anwenden. In der Schweiz hat diese Symbiose aus Ingenieurkunst und klinischer Praxis eine lange Tradition und ist ein wesentlicher Pfeiler der Wertschöpfungs-Dichte des Ökosystems. Ingenieure verbringen Zeit im Operationssaal, um die exakten Bedürfnisse, die haptischen Anforderungen und die unvorhergesehenen Herausforderungen des klinischen Alltags zu verstehen. Chirurgen wiederum sind oft tief in den Designprozess involviert und geben direktes Feedback zu Prototypen.

Diese enge Kollaboration ermöglicht es, Probleme zu lösen, die aus der reinen Theorie nicht ersichtlich sind. Ein Chirurg kann beispielsweise kritisches Feedback zur Ergonomie eines Instruments geben, zur Sichtbarkeit im Operationsfeld oder zur Geschwindigkeit eines Arbeitsablaufs. Der Ingenieur kann diese qualitativen Einblicke in technische Spezifikationen übersetzen – sei es durch die Wahl eines neuen Materials, eine Änderung der Form oder die Integration eines Sensors. Dieser Prozess verkürzt die Entwicklungszyklen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Endprodukt nicht nur technisch brillant, sondern auch praxistauglich und vom Anwender akzeptiert ist.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Chirurgen im modernen Operationssaal

Diese interdisziplinäre Kultur wird durch die geografische Nähe von Produktionsstätten, Forschungsinstituten wie der ETH und EPFL sowie Universitätskliniken gefördert. Es ist ein dynamischer Kreislauf: Ein im Operationssaal identifiziertes Problem führt zu einer technischen Lösung, die wiederum im klinischen Umfeld validiert wird. Für Investoren ist dies ein entscheidender Faktor, da er das Risiko von teuren Fehlentwicklungen, die am Markt scheitern, signifikant reduziert. Die Produkte sind von Anfang an auf die realen Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten.

Implantat oder App: Wo liegt das grössere Wachstumspotenzial?

Die Frage, ob die Zukunft der Medizintechnik in der hochentwickelten Hardware (Implantate) oder in der intelligenten Software (Apps und digitale Dienste) liegt, ist für Investoren von zentraler Bedeutung. Die Antwort lautet zunehmend: in der synergetischen Verbindung von beidem. Der Schweizer Markt für Implantate ist bereits heute von beeindruckender Grösse. Laut Swiss Medtech werden in der Schweiz jährlich rund 40’000 Knie- und Hüftprothesen, 70’000 künstliche Linsen und 4’500 Herzschrittmacher eingesetzt. Dieses Volumen zeigt die anhaltende Bedeutung der physischen Produkte.

Das eigentliche Wachstumspotenzial entfaltet sich jedoch dort, wo die Hardware durch digitale Lösungen erweitert wird. Eine App kann die Leistung eines Hörgeräts personalisieren, Daten zur Therapieverfolgung an den Arzt senden oder den Patienten im Umgang mit seinem Implantat schulen. Diese digitalen Ebenen schaffen einen kontinuierlichen Mehrwert weit über die initiale Implantation hinaus. Sie erhöhen die Patientenbindung, verbessern die Therapieergebnisse und schaffen neue Geschäftsmodelle, beispielsweise über Abonnements für Premium-Dienste.

Fallbeispiel: Sonova als globaler Marktführer

Das in Stäfa ansässige Unternehmen Sonova ist einer der führenden Hörakustik-Hersteller der Welt. Der Schweizer Konzern fokussiert sich auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate und demonstriert eindrucksvoll, wie die Integration von Hardware und digitalen Services zum Erfolg führt. Moderne Hörsysteme von Sonova sind nahtlos mit Apps verbunden, die eine individuelle Klanganpassung, Fernwartung durch den Akustiker und Streaming-Funktionen ermöglichen. Dieser hybride Ansatz verwandelt ein medizinisches Gerät in ein vernetztes Lifestyle-Produkt und sichert dem Unternehmen eine führende Position in einem hart umkämpften Markt.

Für Investoren bedeutet dies, dass Unternehmen, die eine reine Hardware-Strategie verfolgen, langfristig ins Hintertreffen geraten könnten. Die wahren „Hidden Champions“ der Zukunft sind diejenigen, die ein ganzheitliches Ökosystem aus Gerät, Software und Dienstleistung aufbauen. Sie schaffen es, den Wert des Implantats durch eine intelligente digitale Hülle zu vervielfachen und sich so nachhaltig vom Wettbewerb zu differenzieren.

Der Fehler, ein Gerät zu entwickeln, das den Nutzen für den Patienten nicht beweist

Der grösste strategische Fehler, den ein Medtech-Unternehmen begehen kann, ist die Annahme, dass technische Überlegenheit automatisch zum Markterfolg führt. Ein Implantat mag aus den besten Materialien gefertigt und mit modernster Mikroelektronik ausgestattet sein – wenn es jedoch keinen nachweisbaren und signifikanten Nutzen für die Lebensqualität des Patienten bringt, wird es scheitern. In einer Welt, in der Kostenträger wie Krankenkassen und staatliche Stellen immer stärker auf klinische Evidenz und Kosteneffizienz pochen, reicht ein „Me-too“-Produkt mit marginalen Verbesserungen nicht mehr aus.

Ein Gerät muss eine klare Antwort auf die Frage geben: „Welches konkrete Problem des Patienten löst es besser als bestehende Alternativen?“ Bei einem Hörimplantat könnte dies ein besseres Sprachverstehen in lauten Umgebungen sein. Bei einer Knieprothese eine schnellere Mobilisierung und geringere Schmerzen nach der Operation. Dieser Nutzen muss objektiv messbar und in klinischen Studien belegt sein. Ohne diesen Beweis wird das Produkt weder von den Ärzten angenommen noch von den Kostenträgern erstattet. Dies ist das grösste Risiko für jede Medtech-Investition.

Patientenzentrierte Entwicklung von Hörimplantaten mit Fokus auf Lebensqualität

Erfolgreiche Schweizer Unternehmen haben diese Lektion verinnerlicht. Ihr Entwicklungsprozess ist von Anfang an auf den „Patient-Reported Outcome“ ausgerichtet. Sie investieren massiv in klinische Studien, um den Mehrwert ihrer Technologien zu quantifizieren. Diese Fokussierung auf den Patientennutzen ist nicht nur eine ethische Notwendigkeit, sondern eine knallharte wirtschaftliche Überlebensstrategie. Sie ist der Grund, warum Schweizer Premium-Produkte trotz ihres hohen Preises weltweit auf Nachfrage stossen: Sie liefern einen beweisbaren Mehrwert, der die Kosten rechtfertigt.

Warum siedeln sich MedTech-Firmen im „Medical Valley“ rund um Solothurn an?

Die Konzentration von Medtech-Unternehmen in Regionen wie dem „Medical Valley“ zwischen Solothurn, Biel und Grenchen ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines sich selbst verstärkenden Cluster-Effekts, der auf mehreren historischen und strukturellen Vorteilen beruht. Diese geografische Dichte schafft ein hochproduktives Ökosystem, das für einzelne Unternehmen einen enormen Wettbewerbsvorteil darstellt. Die Branche ist ein wichtiger Arbeitgeber; die aussergewöhnliche Dynamik des Schweizer MedTech-Sektors zeigt sich darin, dass heute über 71’700 Personen in der Industrie beschäftigt sind, mit einem Zuwachs von 20’000 Stellen in den letzten zehn Jahren.

Ein fundamentaler Grund ist das Erbe der Uhrenindustrie. Das über Generationen aufgebaute Know-how in der Mikromechanik, Präzisionsfertigung und Miniaturisierung bot die perfekte technologische Grundlage für die Entwicklung von komplexen medizinischen Instrumenten und Implantaten. Dieses Wissen ist tief in der regionalen Arbeitskultur verankert. Ergänzt wird dies durch das Schweizer duale Bildungssystem, das einen stetigen Nachschub an hochqualifizierten Fachkräften wie Polymechanikern und Automatikern sicherstellt, die in der Lage sind, komplexe Fertigungsprozesse zu beherrschen.

Die räumliche Nähe fördert zudem den informellen Wissensaustausch und die Zusammenarbeit. Ein dichtes Netz von Zulieferern, Dienstleistern und spezialisierten Forschungsinstituten ermöglicht es Unternehmen, schnell auf neue Herausforderungen zu reagieren und ihre Lieferketten zu optimieren. Das Zusammenspiel aus Grossunternehmen und den 95 % KMU, die den Sektor prägen, schafft eine dynamische Mischung aus Stabilität und Agilität. Für Investoren ist ein solcher Cluster attraktiv, da er Risiken mindert und den Zugang zu Talenten und Innovationen erleichtert.

Ihr Plan zur Analyse der Standortfaktoren

  1. Duales Bildungssystem nutzen: Inventarisieren Sie die Verfügbarkeit von Fachkräften (Polymechaniker, Automatiker) aus regionalen Berufsschulen.
  2. Know-how der Uhrenindustrie bewerten: Prüfen Sie die Nähe zu etablierten Zulieferern im Bereich Mikromechanik und Präzisionstechnik.
  3. Cluster-Dynamik analysieren: Identifizieren Sie das Verhältnis von KMU zu Grossunternehmen und die Möglichkeiten zur Vernetzung innerhalb des Clusters.
  4. F&E-Investitionen prüfen: Vergleichen Sie die F&E-Quoten potenzieller Partner mit dem überdurchschnittlichen Branchenschnitt.
  5. Internationale Vernetzung bewerten: Analysieren Sie die bestehenden Exportkanäle und die Abhängigkeit vom wichtigsten Handelspartner EU (50% der Exporte).

Wann wird der Marktzugang zur EU für Schweizer Exporteure kritisch?

Für Schweizer Medtech-Exporteure ist der Marktzugang zur EU nicht erst in Zukunft, sondern bereits heute ein kritischer Faktor, der strategische Entscheidungen massgeblich beeinflusst. Durch das Fehlen eines aktualisierten Abkommens (Mutual Recognition Agreement, MRA) werden Schweizer Hersteller in der EU wie Drittstaaten behandelt. Dies führt zu erheblichen administrativen Hürden, der Notwendigkeit eines EU-Bevollmächtigten und höheren Kosten. Besonders kritisch wird die Situation, wenn die von der EU gewährten Übergangsfristen für bestehende Produkte auslaufen. Ohne eine politische Lösung droht vielen Produkten der Marktausschluss.

Die unterschiedlichen Fristen je nach Risikoklasse der Produkte schaffen eine gestaffelte Dringlichkeit. Hochrisiko-Implantate der Klasse III standen unter dem grössten Zeitdruck, doch die EU hat die Fristen verlängert, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. Dies verschafft den Herstellern zwar Zeit, löst aber das grundlegende Problem nicht.

MDR-Übergangsfristen für verschiedene Produktklassen
Produktklasse Ursprüngliche Frist Neue Frist Betroffene Produkte
Klasse III Implantate 26. Mai 2024 31. Dezember 2027 Hochrisiko-Implantate
Klasse IIb implantierbar 26. Mai 2024 31. Dezember 2027 Mittleres Risiko Implantate
Klasse IIa, IIb nicht-implantierbar 26. Mai 2024 31. Dezember 2028 Niedrigeres Risiko

Diese regulatorische Unsicherheit führt zu einer bemerkenswerten strategischen Neuausrichtung, die Investoren beachten müssen: die Innovations-Arbitrage. Anstatt sich primär auf den komplexen und langsamen CE-Zertifizierungsprozess für Europa zu konzentrieren, weichen viele Schweizer Firmen auf den US-Markt aus. Wie Swiss Medtech in einem Kommentar feststellt, hat dieser Wandel bereits stattgefunden:

Die USA haben die EU bei der Erstzulassung von Medizinprodukten überholt. Zunehmend priorisieren Unternehmen in Europa und der Schweiz die FDA-Zulassung gegenüber der CE-Zertifizierung.

– Swiss Medtech, Swiss Medtech Kommentar zur MDR

Dies bedeutet, dass neue, innovative Produkte oft zuerst in den USA auf den Markt kommen. Für den europäischen Markt bedeutet dies eine potenzielle Verzögerung im Zugang zu Innovationen. Für Schweizer Unternehmen ist es eine rationale strategische Entscheidung, Ressourcen dort einzusetzen, wo der Markteintritt schneller und berechenbarer ist.

Warum sind Schweizer Unispitäler so begehrt für Phase-III-Studien?

Schweizer Universitätsspitäler wie das USZ in Zürich oder das CHUV in Lausanne sind weltweit führende Zentren für klinische Forschung und daher äusserst begehrte Partner für Phase-III-Studien. Diese Studien sind der letzte, entscheidende Schritt vor der Marktzulassung eines neuen Medizinprodukts und erfordern höchste wissenschaftliche Standards. Die Attraktivität der Schweiz beruht auf einer Kombination aus exzellenter Infrastruktur, hochqualifiziertem Personal und einem einzigartigen Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten.

Die hohe Dichte an Medtech-Spezialisten im Land – 1 von 100 Arbeitnehmern in der Schweiz arbeitet in der Medizintechnik – schafft ein Umfeld, in dem klinisches und technisches Personal auf höchstem Niveau zusammenarbeitet. Die Spitäler verfügen über modernste Ausstattung und erfahrene Forschungsteams, die in der Lage sind, komplexe, multizentrische Studien nach internationalen Standards (Good Clinical Practice) durchzuführen. Dies gewährleistet die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Studienergebnisse, was für die Zulassungsbehörden wie die FDA oder die europäischen benannten Stellen von grösster Bedeutung ist.

Ein weiterer, oft unterschätzter Vorteil ist die herausragende Datenqualität. Die Schweiz hat eine lange Tradition in der systematischen Erfassung von Gesundheitsdaten. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Schweizerische Implantat-Register (SIRIS).

Fallbeispiel: Systematische Implantat-Registrierung (SIRIS)

Seit 2012 werden Implantate in der Schweiz im SIRIS-Register systematisch erfasst. Ziel ist es, die Qualität und Sicherheit von medizinischen Implantaten wie Hüft- oder Knieprothesen kontinuierlich zu überwachen und zu verbessern. Dieses Register liefert wertvolle Langzeitdaten über die Leistung verschiedener Produkte im realen klinischen Einsatz. Für Hersteller, die Phase-III-Studien oder Post-Market-Surveillance-Studien durchführen, sind solche strukturierten, objektiven Datensätze von unschätzbarem Wert. Das SIRIS gilt international als Vorbild für eine transparente und objektive Evaluation medizinischer Interventionen.

Diese Kombination aus personeller Exzellenz, moderner Infrastruktur und einzigartiger Datenverfügbarkeit macht Schweizer Unispitäler zu einem strategischen Partner für Medtech-Unternehmen weltweit und zementiert die Rolle der Schweiz als zentralen Knotenpunkt im globalen Innovationsnetzwerk.

Das Wichtigste in Kürze

  • Regulatorische Resilienz: Strenge Vorschriften (MDR) wirken als Marktfilter, der qualitativ führende Schweizer Unternehmen langfristig stärkt.
  • Innovations-Ökosystem: Die enge Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren, Chirurgen und Forschungsinstituten in Clustern wie dem „Medical Valley“ beschleunigt die Entwicklung praxistauglicher Produkte.
  • Strategische Agilität: Schweizer Firmen nutzen „Innovations-Arbitrage“, indem sie je nach regulatorischem Umfeld flexibel zwischen den Märkten EU und USA priorisieren.

Wie werden Schweizer Drohnen weltweit zur Inspektion von Brücken eingesetzt?

Auf den ersten Blick scheint die Frage nach Inspektionsdrohnen für Brücken in einem Artikel über Medizintechnik deplatziert. Doch sie führt direkt zum Kern einer der grössten, aber oft verborgenen Stärken des Schweizer Innovations-Ökosystems: dem branchenübergreifenden Technologietransfer. Die Expertise, die Schweizer Unternehmen in der Entwicklung von hochpräzisen, miniaturisierten und autonomen Systemen für Inspektionsdrohnen erworben haben, findet zunehmend Anwendung in der Medizintechnik. Die technologischen Grundprinzipien sind oft dieselben.

Sowohl eine Inspektionsdrohne als auch ein modernes chirurgisches Instrument oder ein diagnostisches Gerät erfordern fortschrittliche Sensorik, zuverlässige Batterietechnologie, robuste Software und vor allem die Fähigkeit zur Miniaturisierung. Eine Kamera, die Risse in einer Betonstruktur erkennt, basiert auf ähnlichen Bildverarbeitungsalgorithmen wie ein System, das Gewebeveränderungen im Körper analysiert. Ein Motor, der eine Drohne stabil in der Luft hält, nutzt dieselben Prinzipien der Mikromechanik wie ein Antrieb in einem chirurgischen Roboter.

Fallbeispiel: Technologietransfer von Drohnen zur Medizintechnik

Schweizer Innovationen in der Miniaturisierung und Sensorik, die ursprünglich für Inspektionsdrohnen entwickelt wurden, finden neue Anwendungen in der Medizintechnik. Die gemeinsame Basis in Mikromechanik, Batterietechnologie und Datenverarbeitung ermöglicht Synergien zwischen scheinbar unterschiedlichen Branchen. Unternehmen, die Expertise in der autonomen Navigation von Drohnen haben, können dieses Wissen nutzen, um präzisere endoskopische Sonden zu entwickeln. Dieser Transfer von Wissen und Technologie ist ein Markenzeichen des flexiblen und gut vernetzten Schweizer Forschungs- und Entwicklungsstandorts.

Dieser Technologietransfer ist ein entscheidender Motor für disruptive Innovationen und unterstreicht die globale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie. Die Branche erwirtschaftete 2023 einen Umsatz von 23,4 Milliarden CHF und wuchs damit doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. Für Investoren bedeutet dies, dass das Potenzial des Schweizer Medtech-Sektors nicht nur in der Optimierung bestehender Produkte liegt, sondern auch in der Fähigkeit, Technologien aus anderen Hightech-Bereichen zu adaptieren und damit völlig neue Märkte zu schaffen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die globale Führungsrolle der Schweizer Medizintechnik weit über einzelne Produkte hinausgeht. Sie ist das Ergebnis eines robusten, anpassungsfähigen und tief vernetzten Systems. Für Investoren, die nach nachhaltigem Wachstum und struktureller Stabilität suchen, bietet die Analyse dieses Ökosystems einen klaren Leitfaden, um die wahren Champions von morgen zu identifizieren. Der nächste logische Schritt besteht darin, eine detaillierte Due Diligence für Unternehmen durchzuführen, die diese Ökosystem-Vorteile am effektivsten nutzen.

Häufige Fragen zur Cochlea-Implantat-Versorgung

Wann kommt ein Cochlea-Implantat in Frage?

Bei starkem Hörverlust oder Taubheit, wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichend helfen und der Hörnerv noch intakt ist.

Wie funktioniert die Kostenübernahme in der Schweiz?

Nach dem Entscheid zur Operation werden die IV (Invalidenversicherung) oder die AHV und die Krankenkasse über den geplanten Eingriff informiert und die Kostenübernahme beantragt.

Wie lange dauert die Anpassungsphase?

Der Sprachprozessor wird etwa 4 Wochen nach der Operation angeschlossen. Die vollständige Anpassung mit Hörtraining dauert mehrere Monate.

Geschrieben von Reto Camenzind, Dr. med. Reto Camenzind ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Sportmedizin mit langjähriger Erfahrung als Notarzt bei der REGA. Er ist Experte für das Schweizer Gesundheitswesen, Versicherungsfragen und alpine Sicherheit.