
Ein starker Franken ist keine vorübergehende Krise, sondern eine strategische Konstante für Schweizer KMU. Der Schlüssel liegt nicht darin, nur defensiv zu reagieren, sondern die Währungsstärke proaktiv als operativen Hebel zu nutzen.
- Kombinieren Sie defensive Absicherung (Termingeschäfte) mit offensiven Taktiken (günstigere Importe von Vorleistungen).
- Nutzen Sie den starken Franken als Investitionsfenster zur Modernisierung Ihres Maschinenparks und zur Steigerung der Effizienz.
Empfehlung: Entwickeln Sie eine ganzheitliche Währungsresilienz-Strategie, die über die Finanzabteilung hinausgeht und operative sowie strategische Massnahmen umfasst.
Der Bildschirm leuchtet auf: EUR/CHF bei 0.9480. Für den Geschäftsführer eines exportorientierten Schweizer Maschinenbau-KMU ist dies mehr als nur eine Zahl; es ist ein direkter Angriff auf die über Monate kalkulierte Marge. Die im Euro-Raum verkauften Produkte werden auf einen Schlag weniger rentabel. Die erste Reaktion ist oft ein Griff zu den bekannten, aber oft isoliert betrachteten Instrumenten: Währungsabsicherung, hektische Kostensenkungsprogramme oder die Hoffnung auf eine baldige Intervention der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Diese Reaktionen sind verständlich, aber sie behandeln nur die Symptome. Sie basieren auf der Annahme, dass die Frankenstärke eine vorübergehende Anomalie ist, die es auszusitzen gilt. Doch was, wenn diese Stärke die neue Normalität ist? Wenn der Status des Frankens als „sicherer Hafen“ in einer unsicheren Welt eine strukturelle Gegebenheit darstellt? Die wahre Herausforderung liegt nicht darin, den nächsten Währungsschock zu überleben, sondern ein Geschäftsmodell zu schaffen, das von Natur aus widerstandsfähig – oder sogar profitabel – in einem Umfeld starker Währung ist. Es geht darum, eine echte Währungsresilienz aufzubauen.
Dieser Leitfaden bricht mit der rein defensiven Sichtweise. Statt den starken Franken nur als Bedrohung zu sehen, zeigen wir Ihnen, wie Sie ihn als operativen Hebel für Ihr Unternehmen nutzen können. Wir werden die Mechanismen der Absicherung entmystifizieren, aber auch aufzeigen, wie Sie die Kaufkraft des Frankens strategisch für Investitionen einsetzen und welche Lehren Sie aus anderen Branchen ziehen können. Dieser Artikel liefert Ihnen die Bausteine für eine proaktive und integrierte Währungsstrategie, die weit über das Tagesgeschäft hinausgeht.
Um diese komplexe Herausforderung strategisch anzugehen, haben wir die wichtigsten Handlungsfelder für Sie strukturiert. Der folgende Überblick führt Sie durch die entscheidenden Aspekte, von den fundamentalen Gründen der Frankenstärke bis hin zu konkreten operativen und finanziellen Massnahmen.
Sommaire: Ein strategischer Leitfaden zur Meisterung der Frankenstärke für Exporteure
- Warum gilt der Franken in jeder globalen Krise als „sicherer Hafen“?
- Wie fixiere ich den Wechselkurs für meine Exporte für die nächsten 12 Monate?
- Preise erhöhen oder Kosten senken: Wie reagiere ich auf den Währungsschock?
- Das Risiko für den grenznahen Detailhandel, wenn der Franken zu stark wird
- Wann nutze ich den starken Franken, um günstig neue Maschinen im Ausland zu kaufen?
- Wie wirken sich Leitzinserhöhungen auf meine Hypothek und mein Sparkonto aus?
- Wie berechne ich den RevPAR, um auch in der Nebensaison profitabel zu sein?
- Wie schützt die Schweizerische Nationalbank (SNB) mein Erspartes vor Inflation?
Warum gilt der Franken in jeder globalen Krise als „sicherer Hafen“?
Die hartnäckige Stärke des Schweizer Frankens ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauens. In Zeiten globaler Unsicherheit – sei es durch geopolitische Konflikte, Wirtschaftskrisen oder Pandemien – suchen internationale Anleger nach Stabilität. Der Franken bietet genau das, gestützt auf mehrere Säulen. Erstens, die politische und rechtliche Stabilität der Schweiz ist legendär. Zweitens weist das Land eine extrem niedrige Staatsverschuldung und einen Leistungsbilanzüberschuss auf. Das bedeutet, die Schweiz „lebt“ nicht über ihre Verhältnisse und ist ein Nettogläubiger gegenüber dem Rest der Welt.
Drittens geniesst die Schweizerische Nationalbank (SNB) weltweit eine hohe Kredibilität in ihrer konsequenten Verfolgung der Preisstabilität. Dieses Fundament aus Stabilität und Vertrauen führt dazu, dass Kapital in Krisenzeiten in den Franken flüchtet, was dessen Wert nach oben treibt. Für eine exportorientierte Nation ist dieser Status jedoch ein zweischneidiges Schwert. Laut aktuellen Daten verdient die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland, was ein Exportvolumen von fast 394 Milliarden CHF im Jahr 2024 unterstreicht. Jeder Rappen Aufwertung des Frankens schmälert die Erträge der Exporteure oder verteuert ihre Produkte auf dem Weltmarkt.
Dieser Druck ist in der Industrie deutlich spürbar. So warnte der Branchenverband Swissmem bereits Ende 2023 in einer Stellungnahme:
Die Schweiz sei gefordert, die dramatische Aufwertung des Frankens gefährde die stark exportorientierte Tech-Industrie.
– Swissmem Branchenverband, Stellungnahme Dezember 2023
Für einen KMU-Geschäftsführer bedeutet das: Die Hoffnung auf einen schwächeren Franken ist eine riskante Wette. Die klügere Strategie ist, die Mechanismen des „sicheren Hafens“ als strukturelle Gegebenheit zu akzeptieren und das eigene Unternehmen darauf auszurichten.
Wie fixiere ich den Wechselkurs für meine Exporte für die nächsten 12 Monate?
Angesichts der Volatilität ist die Absicherung von zukünftigen Euro-Einnahmen eine grundlegende, defensive Massnahme. Das Ziel ist nicht, auf einen besseren Kurs zu spekulieren, sondern Planungssicherheit für die budgetierten Margen zu schaffen. Das gebräuchlichste Instrument hierfür ist das Devisentermingeschäft. Dabei vereinbaren Sie heute mit Ihrer Bank einen festen Wechselkurs, zu dem Sie eine zukünftige Euro-Einnahme in Schweizer Franken umtauschen werden, unabhängig davon, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt.
Dies eliminiert das Währungsrisiko vollständig für den abgesicherten Betrag. Die Kosten für diese „Versicherung“ sind die Differenz zwischen dem aktuellen Kassakurs und dem vereinbarten Terminkurs, die sich hauptsächlich aus der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen ergibt. Ist der Zinssatz im Euro-Raum höher als in der Schweiz, erhalten Sie für den Terminkauf von Franken in der Regel einen etwas schlechteren Kurs (Abschlag). Ist er niedriger, kann der Kurs sogar besser sein (Zuschlag).
Praxisbeispiel: Absicherung eines Maschinenherstellers
Ein Schweizer Maschinenhersteller erwartet im Oktober eine Zahlung von 100’000 Euro. Um seine Marge zu sichern, schliesst er bereits im Dezember ein Termingeschäft ab. Der aktuelle Kassakurs liegt bei 0.9500 EUR/CHF. Aufgrund der Zinsdifferenz bietet ihm die Bank einen Terminkurs von 0.9485 für Oktober an. Der Hersteller fixiert diesen Kurs. Er weiss nun, dass er exakt 94’850 CHF erhalten wird, selbst wenn der Euro im Oktober auf 0.9200 fallen sollte. Diese Planungssicherheit ist ihm den kleinen Abschlag wert.
Neben Termingeschäften gibt es flexiblere, aber auch komplexere Instrumente wie Devisenoptionen. Eine Option gibt Ihnen das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Währung zu einem festgelegten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Dies ermöglicht es, von einer positiven Kursentwicklung zu profitieren, während man gegen eine negative abgesichert ist. Diese Flexibilität hat jedoch ihren Preis in Form einer Optionsprämie.

Die Wahl des richtigen Instruments hängt von der Risikobereitschaft und der Marktprognose ab. Für die meisten KMU bietet das Devisentermingeschäft die beste Balance aus Sicherheit und Einfachheit zur Absicherung der Kernmarge.
Preise erhöhen oder Kosten senken: Wie reagiere ich auf den Währungsschock?
Ein plötzlicher Währungsschock zwingt zu schnellen Reaktionen. Die beiden offensichtlichsten Hebel sind die Preissetzung und die Kostenstruktur. Eine pauschale Preiserhöhung im Euro-Raum, um die Marge zu halten, ist jedoch riskant, da sie die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Ebenso kann eine wahllose Kostensenkung die Qualität und Innovationskraft beeinträchtigen. Ein strategischer Ansatz kombiniert gezielte Massnahmen auf beiden Seiten und nutzt den starken Franken, wo es nur geht.
Der erste Schritt ist die Schaffung von Transparenz: Wo genau entstehen die Kosten? Sind sie in CHF oder EUR? Ein Unternehmen, das viele Vorleistungen oder Rohstoffe aus dem Euro-Raum bezieht, hat ein sogenanntes „natürliches Hedging“. Die höheren Einnahmen in CHF durch den starken Franken werden teilweise durch niedrigere Beschaffungskosten in CHF kompensiert. Dieser Effekt sollte systematisch ausgebaut werden, indem man gezielt Zulieferer im Euro-Raum sucht. Auf der Kostenseite in der Schweiz liegt der Fokus auf der Steigerung der Effizienz, z.B. durch Prozessdigitalisierung und Automatisierung.
Bei der Preisgestaltung ist Differenzierung der Schlüssel. Statt alle Preise zu erhöhen, sollten Sie analysieren, wo Ihre Produkte einen einzigartigen Wert bieten („Swissness“, Technologievorsprung, Servicequalität). Bei diesen hochwertigen Produkten ist die Preissensibilität der Kunden oft geringer, was moderate Anpassungen erlaubt. Für Standardprodukte muss die Marge eventuell durch Effizienzgewinne auf der Kostenseite verteidigt werden. Wichtig ist auch die Kommunikation mit den Kunden, um Preisanpassungen transparent zu begründen.
Aktionsplan: Operative Massnahmen bei einem starken Franken
- Absicherung der Fremdwährungsumsätze: Sichern Sie einen signifikanten Teil der budgetierten Euro-Umsätze (z.B. 50-80%) über Termingeschäfte, um die Kernmarge zu schützen.
- Bezug von Vorleistungen in Euro: Analysieren Sie Ihre Lieferkette und erhöhen Sie gezielt den Anteil der in Euro eingekauften Komponenten, um ein natürliches Hedging aufzubauen.
- Anpassung der Margen bei Swissness-Produkten: Identifizieren Sie Produkte mit hohem Swiss-Made-Anteil und starkem Markenwert. Prüfen Sie hier moderate Preisanpassungen und kommunizieren Sie den Mehrwert aktiv.
- Neuverhandlung mit Schweizer Zulieferern: Sprechen Sie mit Ihren CHF-basierten Lieferanten. Jene, die selbst günstig im Ausland importieren, haben Spielraum für Preisreduktionen, den Sie einfordern sollten.
- Digitalisierung von CHF-basierten Prozessen: Investieren Sie in die Automatisierung und Digitalisierung interner, auf Franken basierender Prozesse (Verwaltung, Logistik), um die Fixkostenbasis zu senken.
Das Risiko für den grenznahen Detailhandel, wenn der Franken zu stark wird
Auf den ersten Blick scheint das Schicksal des Detailhandels in Schaffhausen oder Genf für einen Maschinenbau-CEO in der Zentralschweiz irrelevant. Doch der Detailhandel ist der Kanarienvogel im Bergwerk der Frankenstärke. Die Mechanismen und Strategien, die hier unter extremem Druck entwickelt werden, bieten wertvolle Lektionen für die B2B-Exportindustrie. Wenn der Euro schwach ist, explodiert der Einkaufstourismus. Schweizer Detailhändler stehen in direktem Preiswettbewerb mit Anbietern nur wenige Kilometer entfernt – ein Szenario, das dem internationalen Wettbewerb im Maschinenbau ähnelt, nur in viel extremerer und unmittelbarer Form.
Die Antwort der erfolgreichen Händler ist selten ein reiner Preiskampf, den sie meist verlieren würden. Stattdessen verlagern sie den Wettbewerb auf eine andere Ebene: den Mehrwert. Sie bieten Serviceleistungen, die im Ausland nicht verfügbar sind, schaffen exklusive „Schweiz-Editionen“ oder bauen eine persönliche Kundenbeziehung auf, die über den Preis hinausgeht. Diese Strategie der Differenzierung ist direkt auf den Maschinenbau übertragbar.
Lektion aus dem Detailhandel: Differenzierung statt Preiskampf
Konfrontiert mit massivem Einkaufstourismus, begannen einige Schweizer Optiker in Grenzregionen, nicht nur Brillen zu verkaufen, sondern „Seh-Erlebnis-Pakete“. Diese umfassen eine erweiterte Augengesundheits-Analyse, eine Stilberatung und eine „Sofort-Reparatur-Garantie“. Der Kunde kauft nicht mehr nur ein Produkt, dessen Preis leicht vergleichbar ist, sondern eine umfassende Dienstleistung und Sicherheit. Diese Bündelung rechtfertigt einen höheren Preis und macht den reinen Produktpreisvergleich mit dem Ausland obsolet.
Für einen Exporteur von Maschinen bedeutet das: Wo können Sie über das physische Produkt hinaus einen nicht kopierbaren Mehrwert schaffen? Mögliche Ansätze sind garantierte 24-Stunden-Service-Interventionen, massgeschneiderte Schulungspakete für die Mitarbeiter des Kunden, vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) oder die Entwicklung einer speziellen Software, die nur mit Ihren Maschinen optimal funktioniert. Diese Service-Komponenten haben oft hohe Margen, sind in CHF fakturierbar und rechtfertigen den höheren Preis der Gesamtinvestition für den Kunden.
Wann nutze ich den starken Franken, um günstig neue Maschinen im Ausland zu kaufen?
Dies ist der entscheidende Wechsel von einer defensiven zu einer offensiven Währungsstrategie. Während der starke Franken Ihre Exportmargen unter Druck setzt, verwandelt er sich auf der Importseite in einen mächtigen Hebel: Ihre Kaufkraft im Euro-Raum steigt. Jeder Rappen, den der Euro verliert, verbilligt Investitionsgüter, Rohstoffe und Dienstleistungen aus dem Ausland. Dies schafft ein strategisches „Investitionsfenster“ zur Modernisierung und Effizienzsteigerung des eigenen Betriebs.
Der optimale Zeitpunkt für solche Investitionen ist, wenn der Franken besonders stark ist und gleichzeitig Investitionsbedarf zur Steigerung der Produktivität besteht. Anstatt Gewinne aus dem operativen Geschäft zu verwenden, die unter Druck stehen, kann die Währungsersparnis selbst die Investition finanzieren. Der Kauf einer neuen, effizienteren Produktionsmaschine aus Deutschland wird durch den Wechselkurs quasi subventioniert. Diese Maschine kann dann dazu beitragen, die Produktionskosten pro Stück zu senken und so die durch den Wechselkurs verlorene Marge auf der Exportseite teilweise zu kompensieren.
Eine vereinfachte Berechnung kann die Attraktivität verdeutlichen:
| EUR/CHF-Kurs | Ersparnis bei 100k EUR Maschine | Kompensationsdauer Exportverluste |
|---|---|---|
| 0.95 | 5’000 CHF | 12 Monate |
| 0.90 | 10’000 CHF | 8 Monate |
| 0.85 | 15’000 CHF | 5 Monate |
Diese proaktive Haltung wird von vielen erfolgreichen Schweizer Unternehmen praktiziert, wie eine Analyse von cash.ch hervorhebt:
Viele Schweizer Unternehmen sichern ihre Fremdwährungsumsätze ab und beziehen nicht selten einen Teil ihrer Vorleistungen aus dem Ausland – dabei profitieren sie von einem starken Franken.
– cash.ch Analyse, Untersuchung zur Währungspolitik
Die strategische Nutzung der Frankenstärke für Investitionen ist somit kein Widerspruch zur Absicherung der Exportrisiken, sondern deren logische Ergänzung. Es ist die zweite Seite derselben Medaille.

Wie wirken sich Leitzinserhöhungen auf meine Hypothek und mein Sparkonto aus?
Während dieser Titel auf private Finanzen abzielt, ist das dahinterliegende Prinzip für die Finanzierungsstruktur Ihres KMU von entscheidender Bedeutung. Leitzinsänderungen der SNB haben direkte Auswirkungen auf die Kosten Ihrer Firmenkredite, Ihrer Kontokorrentlimiten und auf die Erträge Ihrer flüssigen Mittel. Das Verständnis dieser Mechanismen ist essenziell für ein solides Liquiditätsmanagement, insbesondere in einem volatilen Währungsumfeld.
Für Unternehmen gibt es, analog zu privaten Hypotheken, im Wesentlichen zwei Arten von Finanzierungen: variabel verzinste und fest verzinste. Variable Kredite sind in der Schweiz oft an den SARON (Swiss Average Rate Overnight) gekoppelt. Steigt oder fällt der Leitzins der SNB, passt sich der SARON und damit Ihr Kreditzins fast unmittelbar an. Dies bietet Flexibilität, birgt aber das Risiko steigender Finanzierungskosten. Festhypotheken oder Festzinskredite hingegen fixieren den Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit (z.B. 5 oder 10 Jahre). Dies schafft absolute Planungssicherheit bei den Zinskosten, verhindert aber ein Profitieren von allfälligen Zinssenkungen.
Die strategische Entscheidung für Ihr KMU hängt von Ihrer Zinserwartung und Ihrem Sicherheitsbedürfnis ab. Erwarten Sie steigende Zinsen, kann die Fixierung der Zinsen für langfristige Investitionskredite sinnvoll sein. Für die flexible Steuerung des Betriebskapitals kann ein SARON-basierter Kredit die bessere, weil günstigere Option sein, solange die Zinsen tief sind. Die folgende Tabelle, adaptiert aus dem Hypothekarmarkt, illustriert die Unterschiede:
Eine Analyse von der Zürcher Kantonalbank zeigt die Unterschiede klar auf.
| Kreditart | Reaktion auf Leitzinsänderung | Risiko für das Unternehmen |
|---|---|---|
| SARON-Kredit | Sofortige Anpassung der Zinskosten | Variable, unplanbare Finanzierungskosten |
| 5-Jahre Festzinskredit | Keine Änderung während der Laufzeit | Keine Flexibilität, Risiko bei Refinanzierung |
| 10-Jahre Festzinskredit | Keine Änderung während der Laufzeit | Langfristig an hohe Zinsen gebunden |
Für die auf dem Firmenkonto gehaltenen flüssigen Mittel gilt der umgekehrte Effekt: Steigende Leitzinsen führen tendenziell zu höheren Zinserträgen auf dem Sparkonto, was die Kosten des „unnötigen“ Haltens von Liquidität senkt.
Wie berechne ich den RevPAR, um auch in der Nebensaison profitabel zu sein?
Der „RevPAR“ (Revenue Per Available Room) ist eine Schlüsselkennzahl aus der Hotellerie. Er misst den Umsatz pro verfügbarem Zimmer und hilft Hoteliers, ihre Auslastung und Preisstrategie zu optimieren, um auch in der Nebensaison profitabel zu bleiben. Für einen Maschinenbauer klingt das zunächst fremd, doch das zugrundeliegende Prinzip des Ertragsmanagements (Yield Management) ist eine extrem starke Waffe im Kampf gegen Margenerosion.
Übersetzen wir das Konzept: Ersetzen Sie „verfügbares Zimmer“ durch „verfügbare Maschinenstunde“ oder „verfügbare Ingenieurstunde“. Die Frage lautet dann: Wie maximieren Sie den Ertrag aus Ihren wertvollsten, fixen Kapazitäten, insbesondere wenn die Nachfrage nach Ihrem Kerngeschäft schwankt? Statt Maschinen bei geringer Auftragslage stillstehen zu lassen, könnten Sie proaktiv nach alternativen Ertragsquellen suchen. Dies könnte die Fertigung von Kleinserien oder Prototypen für andere Unternehmen sein, die Nutzung Ihrer Mess- und Prüfgeräte als Dienstleistung oder das Angebot von Schulungen auf Ihren Anlagen.
Der zweite Aspekt des RevPAR ist die Preis- und Angebotsdifferenzierung. Hotels haben je nach Saison, Wochentag und Buchungszeitpunkt unterschiedliche Preise. Im Maschinenbau könnte dies bedeuten, das Kernprodukt (die Maschine) mit margenstarken Dienstleistungen zu bündeln. Statt nur die Maschine zu verkaufen, bieten Sie ein „Produktivitätspaket“ an, das die Maschine, einen Premium-Wartungsvertrag, Software-Updates und Bedienerschulungen enthält. Dieses Gesamtpaket ist für den Kunden schwerer mit dem Wettbewerb zu vergleichen und rechtfertigt einen höheren Gesamtpreis, selbst wenn der Preis der reinen Maschine unter Druck ist.
Der Kerngedanke ist, sich von der reinen produktzentrierten Sicht zu lösen und das eigene Unternehmen als einen Pool von wertvollen Kapazitäten zu betrachten, deren Ertrag es kontinuierlich zu maximieren gilt. Dies schafft neue Einnahmequellen, die oft weniger währungssensibel sind und die Abhängigkeit von reinen Produktverkäufen verringern.
Das Wichtigste in Kürze
- Ganzheitliche Strategie: Betrachten Sie Währungsmanagement nicht isoliert. Es muss eine Kombination aus defensiver Absicherung (Hedging) und offensiver Nutzung (Investitionen) sein.
- Frankenstärke als Chance: Nutzen Sie den starken Franken aktiv als „Investitionsfenster“, um Ihren Maschinenpark aus dem günstigeren Euro-Raum zu modernisieren und die Produktivität zu steigern.
- Vom Produkt zur Lösung: Verteidigen Sie Ihre Marge nicht durch reine Preiskämpfe, sondern durch die Bündelung Ihrer Produkte mit hochwertigen, schwer vergleichbaren Dienstleistungen.
Wie schützt die Schweizerische Nationalbank (SNB) mein Erspartes vor Inflation?
Für einen Unternehmer ist die Frage weniger, wie die SNB sein privates Erspartes schützt, sondern wie ihre Politik das wirtschaftliche Umfeld und damit die Gesundheit des Unternehmens beeinflusst. Die primäre Aufgabe der SNB ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Sie schützt also nicht direkt das Guthaben auf Ihrem Firmenkonto, sondern die Kaufkraft des Schweizer Frankens insgesamt. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Inflation in einem Band zwischen 0 und 2 % zu halten. Solange die Inflation in diesem Rahmen bleibt, verliert das auf dem Konto gehaltene Geld nur langsam an Wert.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihr wichtigstes Instrument der Leitzins. Bei zu hoher Inflation erhöht die SNB den Leitzins, was Kredite verteuert und die Wirtschaft abkühlt. Bei zu tiefer Inflation oder Deflationsgefahr senkt sie ihn, um Investitionen und Konsum anzukurbeln. Eine Zinserhöhung macht tendenziell auch den Franken für Anleger attraktiver, was ihn weiter stärkt – ein Effekt, der für Exporteure schmerzhaft ist. Hier offenbart sich der zentrale Zielkonflikt der SNB, der auch Ihr unternehmerisches Umfeld prägt.
Der renommierte Währungsexperte Christoph Sax vom VZ VermögensZentrum bringt es auf den Punkt:
Die SNB schützt nicht direkt das individuelle Ersparte, sondern die Kaufkraft des Frankens insgesamt.
– Christoph Sax, VZ VermögensZentrum Analyse
Die SNB muss konstant einen Balanceakt vollführen: Einerseits muss sie die Inflation bekämpfen, was einen starken Franken begünstigt. Andererseits darf der Franken nicht so stark werden, dass er die Exportwirtschaft und damit den gesamten Wirtschaftsstandort Schweiz abwürgt. Ein Beispiel dafür ist die Politik, einen gewissen Zinsabstand zur Europäischen Zentralbank (EZB) zu wahren, um den Franken als Anlagewährung weniger attraktiv zu machen. Für Sie als Unternehmer bedeutet dies, dass Sie nicht auf die SNB als Retter hoffen können. Ihre Politik ist ein Kompromiss, der nicht immer Ihren Interessen als Exporteur entsprechen wird. Die Verantwortung für die Währungsresilienz Ihres Unternehmens liegt bei Ihnen.
Die Beherrschung der Währungsdynamik ist somit keine reine Finanzaufgabe mehr, sondern eine zentrale unternehmerische Kompetenz. Anstatt auf externe Faktoren zu hoffen, liegt der Schlüssel darin, das eigene Unternehmen durch eine intelligente Kombination aus defensiven und offensiven Massnahmen strukturell widerstandsfähiger zu machen. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre eigene Währungsstrategie zu überprüfen und die hier vorgestellten Prinzipien anzuwenden.