Stadtansicht mit dichter Bebauung und grünen Innenhöfen in Zürich
Veröffentlicht am März 15, 2024

Die neuen verdichteten Quartiere der Schweiz sind ein soziales Experiment, dessen Ausgang über die blosse Architektur hinausgeht.

  • Verdichtung führt zu ökologischen Paradoxen wie städtischen Hitzeinseln, die gezielte Gegenmassnahmen erfordern.
  • Neue Wohnformen wie Cluster-Wohnungen fordern unser traditionelles Verständnis von Privatsphäre und Gemeinschaft heraus.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihre Wahl des Wohnorts nicht nur als Immobilienentscheid, sondern als bewussten Eintritt in ein spezifisches soziales Gefüge.

Der Umzug in ein glänzendes neues Stadtquartier wie den Glattpark oder die Europaallee in Zürich ist mehr als nur ein Adresswechsel. Es ist der Eintritt in eine sorgfältig geplante Vision des urbanen Lebens. Versprochen werden kurze Wege, moderne Architektur und eine hohe Lebensqualität. Die gängige Diskussion dreht sich oft um offensichtliche Vor- und Nachteile: die Nähe zu Annehmlichkeiten versus die höhere Bevölkerungsdichte, die Energieeffizienz neuer Gebäude versus den Mangel an historischem Charme. Man spricht über Smart-City-Technologien, Mobilitätskonzepte und grüne Labels. Doch diese Debatte kratzt nur an der Oberfläche dessen, was wirklich auf dem Spiel steht.

Was, wenn die entscheidenden Fragen nicht technischer, sondern sozialer Natur sind? Wenn die wahre Herausforderung nicht in der Organisation von Car-Sharing liegt, sondern in der stillen Spannung zwischen dem Wunsch nach Anonymität und dem Bedürfnis nach Gemeinschaft? Dieser Artikel nimmt eine soziologische Perspektive ein. Er betrachtet diese neuen Quartiere als das, was sie im Kern sind: grossangelegte soziale Experimente. Wir analysieren die verborgenen Mechanismen, die darüber entscheiden, ob aus verdichtetem Wohnen eine lebendige Nachbarschaft oder eine Ansammlung von Individuen in luxuriöser Vereinsamung wird. Es geht um die Frage, wie die physische Struktur unserer Städte unsere Wohnbiografie und unser soziales Wohlbefinden prägt.

Wir werden untersuchen, warum es in Zürich-West heisser ist als anderswo, wie neue Wohnformen das Single-Leben neu definieren und welche Risiken die Aufwertung für angestammte Bewohner birgt. Ziel ist es, Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, um die Versprechen der Stadtentwicklung kritisch zu hinterfragen und eine fundierte Entscheidung für Ihre eigene Lebensqualität zu treffen.

Warum ist es in Zürich-West im Sommer 4 Grad heisser als am Zürichberg?

Das Phänomen ist als städtische Wärmeinsel bekannt und ein klassisches Paradoxon der Verdichtung. Während neue Gebäude energieeffizienter sind, erzeugen ihre Materialien – Beton, Glas, Asphalt – eine Umgebung, die Wärme speichert und nachts nur langsam wieder abgibt. In dicht bebauten Gebieten wie Zürich-West fehlt zudem die kühlende Wirkung grosser, unversiegelter Grünflächen und eines durchgehenden Baumbestands, wie man ihn am Zürichberg findet. Die enge Bebauung behindert zudem die Luftzirkulation, was die Abkühlung weiter verlangsamt. Dies führt zu spürbaren Temperaturunterschieden und einer Zunahme von gesundheitlich belastenden Tropennächten.

Die Konsequenzen sind nicht nur eine Frage des Komforts, sondern der öffentlichen Gesundheit. Klimaszenarien für die Schweiz zeigen eine deutliche Zunahme der Hitzebelastung in urbanen Zentren. So werden laut aktuellen Klimaszenarien von MeteoSchweiz für Zürich künftig im Schnitt etwa fünfmal mehr Tropennächte erwartet. Diese Entwicklung trifft vor allem ältere Menschen und Kleinkinder und steigert den Energieverbrauch durch Klimaanlagen – ein Teufelskreis.

Die effektivste Gegenmassnahme ist die gezielte Integration von „blauer“ und „grüner“ Infrastruktur. Bäume sind dabei zentral: Eine Untersuchung der Stadt Zürich zeigt, dass Bäume an Hitzetagen für eine Absenkung der Temperatur um bis zu 9°C sorgen können, wobei bis zu 80 Prozent dieser Kühlleistung allein durch die Beschattung erfolgen. Es geht also nicht nur darum, überhaupt Grünflächen zu haben, sondern um die strategische Platzierung grosskroniger Bäume, die Schatten auf versiegelte Flächen werfen. Moderne Quartierplanungen müssen diesen Aspekt von Anfang an als integralen Bestandteil der Baukultur und nicht als nachträgliche Dekoration verstehen.

Wie organisiere ich Car-Sharing in einer Siedlung ohne eigene Parkplätze?

Die Reduktion privater Parkplätze ist ein zentrales Instrument der modernen Stadtplanung, um den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und wertvollen städtischen Raum zurückzugewinnen. Für die Bewohner stellt sich jedoch eine sehr praktische Frage: Wie bleibt man mobil, wenn man doch gelegentlich ein Auto benötigt? Die Antwort liegt in der kollektiven Organisation von Sharing-Modellen direkt in der Siedlung. Dies ist kein triviales Unterfangen, sondern erfordert eine proaktive Haltung der Bewohnerschaft und eine klare rechtliche und organisatorische Struktur. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie in verdichteten Quartieren private Bedürfnisse in gemeinschaftliche Lösungen überführt werden müssen.

Der Prozess beginnt nicht mit der Auswahl eines Autos, sondern mit der Schaffung einer Gemeinschaftsstruktur. Dies kann ein einfacher Verein sein, der als Vertragspartner für Anbieter wie Mobility auftritt und die internen Regeln festlegt. Die grösste Hürde ist oft die rechtliche Verankerung, beispielsweise durch eine Anpassung des Stockwerkeigentümer-Reglements, um die Nutzung gemeinsamer Flächen für die Sharing-Fahrzeuge zu legitimieren. Dieser Schritt erfordert Konsens und ist ein erster Test für die Funktionsfähigkeit der neuen Gemeinschaft. Die Organisation wird so zu einem Akt des „Community Buildings“.

Moderne Wohnsiedlung mit gemeinsamer Mobilitätsstation

Sobald die rechtliche Basis geschaffen ist, wird die Umsetzung konkret. Die Wahl fällt oft auf flexible Angebote wie „Mobility-Flex“, die speziell für Siedlungen konzipiert sind. Wichtig ist auch die Klärung der Versicherungsfragen, die über die obligatorische Haftpflicht hinausgehen und eine Kaskoversicherung für Schäden am Fahrzeug umfassen sollten. Der wahre Mehrwert entsteht jedoch erst durch die Integration in das gesamte Mobilitäts-Ökosystem des Quartiers: Die Sharing-Station sollte in unmittelbarer Nähe zu Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (wie ZVV oder SBB) und Angeboten für die „letzte Meile“ wie E-Bikes oder E-Scooter liegen.

Ihr Fahrplan zur Gründung eines Siedlungs-Carsharings

  1. Rechtliche Basis schaffen: Gründen Sie einen Verein oder eine einfache Gesellschaft, um als Gemeinschaft handlungsfähig zu sein.
  2. Regeln verankern: Passen Sie das Stockwerkeigentümer-Reglement oder die Hausordnung an, um die Nutzung und Finanzierung der Sharing-Stationen festzulegen.
  3. Anbieter evaluieren: Wählen Sie einen passenden Carsharing-Anbieter (z.B. Mobility-Flex für Siedlungen) und verhandeln Sie die Konditionen.
  4. Versicherungsdeckung klären: Sorgen Sie für eine umfassende Versicherungsdeckung, die Haftpflicht und Kasko für alle Nutzer einschliesst.
  5. Mobilitäts-Hub integrieren: Planen Sie den Standort der Fahrzeuge als Teil eines umfassenden Hubs mit Anbindung an ÖV, Velo- und E-Bike-Infrastruktur.

Cluster-Wohnung oder klassische 3.5-Zimmer: Was passt zum modernen Single?

Die demografische Entwicklung in Schweizer Städten zeigt einen klaren Trend: Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt stetig. Die traditionelle 3.5-Zimmer-Wohnung, einst für Kleinfamilien konzipiert, wird für Singles oft zu einer ineffizienten und teuren Lösung. Als Antwort darauf etablieren sich in Neubauprojekten wie der Zürcher Kalkbreite innovative Wohnformen, allen voran die Cluster-Wohnung. Dieses Modell ist mehr als nur eine Wohngemeinschaft; es ist ein Versuch, das Verhältnis von privatem Rückzugsraum und gemeinschaftlich genutzter Fläche neu zu verhandeln. Es stellt die Frage, was wir wirklich zum Leben brauchen und was wir bereit sind zu teilen.

Eine Cluster-Wohnung kombiniert ein kleines privates Studio (oft unter 30 m² mit eigenem Bad und kleiner Kochnische) mit grosszügigen, gemeinschaftlich genutzten Flächen wie einer grossen Küche, einem Wohnzimmer oder sogar einer Bibliothek. Der Reiz liegt in der Reduktion: Man bezahlt nur für den Raum, den man exklusiv nutzt, profitiert aber von Annehmlichkeiten, die in einer Einzelwohnung unbezahlbar wären. Dies spiegelt sich auch in den Kosten wider, die oft deutlich unter denen einer klassischen Mietwohnung liegen. Die folgende Tabelle, basierend auf den Erfahrungen der Genossenschaft Kalkbreite, verdeutlicht die Unterschiede:

Vergleich: Cluster-Wohnung vs. Klassische 3.5-Zimmer-Wohnung
Kriterium Cluster-Wohnung Klassische 3.5-Zimmer
Wohnfläche privat Weniger als 30 m² pro Person 70-90 m² gesamt
Gemeinschaftsräume Grosszügiger Wohn- und Essraum geteilt Keine
Monatliche Kosten (Nettomiete) Durchschnittlich 487 CHF 1800-2500 CHF
Soziale Interaktion Täglich möglich, aber optional Selbstbestimmt, weniger spontan
Flexibilität „Wohnjoker“ temporär dazu mietbar Fest definierte Räume

Die Entscheidung für oder gegen eine Cluster-Wohnung ist letztlich eine Typfrage. Sie eignet sich für Menschen, die soziale Interaktion schätzen, aber nicht auf einen privaten Rückzugsort verzichten wollen. Es ist eine Form der „geplanten Spontaneität“: Begegnungen sind wahrscheinlich, aber nicht erzwungen. Die klassische Wohnung bietet hingegen maximale Autonomie und Kontrolle über den eigenen Raum, birgt aber auch das Risiko der Isolation. Sie ist die erste Wahl für jene, deren Bedürfnis nach Privatsphäre überwiegt.

Fallbeispiel: Leben in der Kalkbreite Zürich

Fred lebt in einer Clusterwohnung im Zürcher Quartier Kalkbreite. Er bewohnt ein 38 Quadratmeter grosses Studio mit eigenem Bad und Kochnische. Einen grosszügigen Wohn- und Essbereich teilt er sich mit den weiteren Bewohnern seines Clusters. Für Fred ist genau diese Mischung ideal: „Ich finde es toll, dass ich viele Bewohner der Kalkbreite mit Namen grüssen kann“, erklärt er. Das Beispiel zeigt, wie das Cluster-Modell eine Balance zwischen privatem Raum und einem Gefühl der Zugehörigkeit schaffen kann, das in anonymen Neubauten oft fehlt.

Das Risiko, dass das trendige Quartier für die ursprünglichen Bewohner unbezahlbar wird

Die Aufwertung eines Stadtteils, oft als Gentrifizierung bezeichnet, ist die dunkle Kehrseite der Medaille der urbanen Erneuerung. Wenn ein Quartier durch Neubauten, Sanierungen und die Ansiedlung neuer Geschäfte und Cafés attraktiver wird, steigen unweigerlich die Bodenpreise und damit die Mieten. Für die ursprünglichen Bewohner, oft Menschen mit tieferen Einkommen, Mieter in älteren, günstigeren Wohnungen oder kleine Gewerbetreibende, wird das Leben in ihrem angestammten Umfeld plötzlich unerschwinglich. Sie werden verdrängt und das soziale Gefüge des Quartiers verändert sich nachhaltig. Es entsteht eine homogenere, wohlhabendere Bewohnerschaft.

Dieser Prozess ist in Schweizer Grossstädten in vollem Gange und wird durch den extrem angespannten Wohnungsmarkt befeuert. Gemäss aktuellen Daten zur Stadtentwicklung liegt die Leerwohnungsziffer schweizweit bei nur 1,15%, in Städten wie Zürich sogar bei unter 0,4%. Gleichzeitig stiegen die Mietpreise in Zürich zwischen 2010 und 2023 um über 36%. Dieser immense Druck macht es für Investoren äusserst lukrativ, alte Liegenschaften durch teurere Neubauten zu ersetzen, was den Verdrängungseffekt weiter beschleunigt. Die „Aufwertung“ kommt somit nicht allen zugute, sondern primär den Immobilienbesitzern und neuen, kaufkräftigen Zuzügern.

Das eigentliche Problem liegt oft in den Machtasymmetrien. Die von Verdrängung bedrohten Gruppen haben häufig am wenigsten Möglichkeiten, sich politisch Gehör zu verschaffen. Die Stadt-Anthropologin Sabrina Stallone bringt dieses Dilemma auf den Punkt:

In diesen Gebieten gibt es teilweise grössere Landreserven, die man noch bebauen kann. Tatsache ist aber auch, dass dies oft Stadtteile sind, wo Menschen mit wenig Mitspracherecht leben. Zum Beispiel, weil sie keinen Schweizer Pass haben oder die Sprache nicht können.

– Sabrina Stallone, Forschung zu Stadtentwicklung, Tsüri.ch

Eine sozial nachhaltige Stadtentwicklung müsste daher Instrumente wie gemeinnützigen Wohnungsbau, Mietzinskontrollen oder einen aktiven Schutz von preisgünstigem Wohnraum beinhalten. Ohne solche regulatorischen Eingriffe bleibt die Verdichtung ein Motor für soziale Segregation, bei dem die Gewinner und Verlierer von vornherein feststehen. Es ist ein klassischer Verhandlungsprozess, bei dem die Stimmen der Schwächsten oft nicht gehört werden.

Wann werden Fassadenbegrünungen wirklich effektiv gegen Lärm und Feinstaub?

Fassadenbegrünungen sind zu einem beliebten Symbol für nachhaltiges Bauen geworden. Sie versprechen, das Stadtklima zu verbessern, Lärm zu dämpfen und Feinstaub zu binden. Doch als Stadtsoziologe muss man kritisch fragen: Wann sind diese grünen Wände mehr als nur „Greenwashing“, also eine ästhetische Massnahme ohne signifikante Wirkung? Die Effektivität einer Fassadenbegrünung hängt von -spezifischen, messbaren Faktoren ab. Sie ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das richtig eingesetzt werden muss. Die Wirksamkeit ist eine Frage der Skala, des Systems und des Standorts.

Gegen Lärm ist die Wirkung oft begrenzt. Eine dichte Pflanzenschicht kann zwar hohe Frequenzen leicht absorbieren, aber tieffrequenter Verkehrslärm wird kaum gedämpft. Hier sind bauliche Massnahmen wie Lärmschutzfenster weitaus effektiver. Bei der Reduktion von Feinstaub ist das Potenzial grösser. Die Blätter der Pflanzen können Partikel aus der Luft filtern, die dann vom Regen abgewaschen werden. Die Effektivität hängt hier von der Blattoberfläche und der Pflanzenart ab. Pflanzen mit rauen, behaarten Blättern sind deutlich wirksamer als solche mit glatten Oberflächen. Eine dünne Schicht Efeu hat eine weitaus geringere Wirkung als ein dichtes, mehrschichtiges System mit verschiedenen Arten.

Detailaufnahme einer begrünten Fassade mit verschiedenen Pflanzenarten

Die grösste und am besten belegte Wirkung hat die Begrünung jedoch auf das Mikroklima, insbesondere die Kühlung. Ähnlich wie Bäume kühlen Pflanzen durch Verdunstung und vor allem durch Beschattung der Fassade. Eine begrünte Wand heizt sich im Sommer signifikant weniger auf als eine nackte Beton- oder Glasfläche. Dies reduziert den Wärmeeintrag ins Gebäude und senkt den Kühlbedarf. Wirklich effektiv wird eine Begrünung aber erst, wenn sie als integrales System gedacht wird: mit automatischer Bewässerung, einer standortgerechten Pflanzenauswahl und einem Design, das eine maximale Deckung und Dichte anstrebt. Eine symbolische Bepflanzung einiger weniger Quadratmeter bleibt kosmetisch.

Warum finden Familien in Zürich und Genf kaum noch bezahlbare 4-Zimmer-Wohnungen?

Die Knappheit an familientauglichen und bezahlbaren Wohnungen in den Zentren von Zürich und Genf ist ein strukturelles Problem, das aus dem Zusammenspiel von Verdichtungspolitik, Bodenpreisen und Investorenlogik entsteht. Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Wenn alter Wohnraum durch Neubauten ersetzt wird, entstehen mehr Wohnungen. Die Realität ist jedoch komplexer und für Familien oft nachteilig. Das Kernproblem ist, dass Wohnfläche und Profitmaximierung in einem direkten Spannungsverhältnis stehen.

Daten der Stadt Zürich verdeutlichen dies: Im Durchschnitt wurde in den letzten Jahren jede abgebrochene Wohnung durch 1,6 Neuwohnungen ersetzt. Die gesamte Wohnfläche in diesen Ersatzneubauprojekten erhöhte sich dabei um 102 Prozent. Das bedeutet, es wird zwar dichter und höher gebaut, die neu geschaffenen Wohnungen sind im Durchschnitt aber kleiner. Grosse 4- oder 5-Zimmer-Wohnungen werden durch eine grössere Anzahl von 2- bis 3.5-Zimmer-Wohnungen ersetzt. Diese lassen sich pro Quadratmeter teurer vermieten und sprechen eine breitere, kaufkräftigere Zielgruppe von Singles und Paaren an. Für Investoren ist diese Strategie logisch und profitabel.

Gleichzeitig steigt der Flächenverbrauch pro Person tendenziell weiter an, was den Druck auf den Markt zusätzlich erhöht. In Zürich liegt der durchschnittliche Flächenverbrauch pro Person bei 39,5 m². Familien, die naturgemäss mehr Raum benötigen, aber nicht über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen, fallen durch das Raster. Sie konkurrieren mit mehreren kleineren, einkommensstarken Haushalten um dieselbe bebaubare Fläche. Der Markt allein reguliert diesen Missstand nicht, da er primär auf die renditestärksten Einheiten ausgerichtet ist. Gemeinnützige Wohnbauträger sind oft die Einzigen, die gezielt grössere und preisgünstigere Wohnungen für Familien erstellen, doch ihr Anteil am Gesamtmarkt ist begrenzt.

Wie steuert eine KI die Heizung, bevor die Bewohner überhaupt frieren?

Die intelligente Steuerung von Heizungsanlagen ist ein Kernstück der „Smart Home“-Technologie in modernen Wohnbauten. Sie geht weit über einen simplen Thermostat hinaus. Anstatt nur auf die aktuelle Raumtemperatur zu reagieren, arbeitet eine KI-gesteuerte Heizung prädiktiv, also vorausschauend. Sie versucht, den Wärmebedarf eines Gebäudes zu antizipieren, bevor ein Komfortverlust für die Bewohner überhaupt eintritt. Dies geschieht durch die Analyse und Verknüpfung von drei zentralen Datenquellen: externe Wetterprognosen, die thermischen Eigenschaften des Gebäudes und das Verhalten der Nutzer.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Das System weiss durch die Wettervorhersage, dass in drei Stunden die Sonne auf die grosse Fensterfront im Wohnzimmer scheinen wird. Anstatt die Heizung jetzt voll aufzudrehen, weil es noch kühl ist, reduziert die KI die Heizleistung bereits, da sie den kostenlosen Wärmeeintrag durch die Sonne „einkalkuliert“. Umgekehrt weiss sie, dass nach Sonnenuntergang bei klarem Himmel die Temperatur schnell fallen wird, und beginnt daher frühzeitig und langsam mit dem Heizen, um ein abruptes Auskühlen der Räume zu verhindern. Dabei lernt sie auch die thermische Trägheit des Gebäudes kennen: Wie schnell heizt sich das Gebäude auf und wie schnell kühlt es wieder ab?

Der dritte Faktor ist das Nutzerverhalten. Die KI lernt die typischen An- und Abwesenheitszeiten der Bewohner. Sie registriert, wann morgens die Stosslüftung erfolgt oder dass die Bewohner am Wochenende tendenziell später aufstehen. So kann sie die Heizkurve individuell anpassen und muss nicht auf eine starre Nachtabsenkung zurückgreifen. Das Ziel ist nicht nur Energieeffizienz, sondern auch ein maximaler thermischer Komfort. Die Heizung agiert unbemerkt im Hintergrund und sorgt für eine konstante Wohlfühltemperatur, ohne dass die Bewohner manuell eingreifen müssen. Die Technologie verspricht, den ewigen Konflikt zwischen Sparen und Komfort aufzulösen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verdichtung ist ein soziales Experiment, das weit über Architektur hinausgeht und unser Zusammenleben neu definiert.
  • Die Balance zwischen privatem Rückzug und gemeinschaftlichen Angeboten (z.B. Cluster-Wohnungen, Sharing) ist der entscheidende Faktor für die Lebensqualität.
  • Ohne politische Steuerung führt die Logik des Immobilienmarktes in verdichteten Gebieten oft zu sozialer Segregation und der Verdrängung einkommensschwächerer Bewohner.

Wie senkt „Building Information Modeling“ die Baukosten bei Grossprojekten um 15%?

Building Information Modeling (BIM) ist eine der fundamentalsten Revolutionen im Bauwesen der letzten Jahrzehnte. Es ist weit mehr als nur 3D-Design. BIM ist eine Methode, bei der ein detaillierter, datenreicher digitaler Zwilling eines Bauwerks erstellt wird, lange bevor der erste Bagger auffährt. In diesem Modell sind nicht nur die Geometrie, sondern auch alle relevanten Informationen zu Materialien, Kosten, Zeitplänen und technischen Spezifikationen der einzelnen Bauteile hinterlegt. Das Ziel ist es, die Planung, Ausführung und später auch den Betrieb eines Gebäudes zu optimieren.

Die oft zitierte Kostensenkung von bis zu 15% ergibt sich aus mehreren Faktoren. Der wichtigste ist die Kollisionserkennung in der Planungsphase. Im digitalen Modell können alle Gewerke – Architekten, Bauingenieure, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärplaner – ihre Fachplanungen zusammenführen. Die BIM-Software erkennt automatisch, wo beispielsweise ein Lüftungskanal mit einem tragenden Stahlträger kollidiert. Solche Konflikte, die auf der Baustelle zu teuren Verzögerungen, Improvisationen und Baumängeln führen würden, können so bereits am Computer gelöst werden. Jeder Euro, der in eine bessere digitale Planung investiert wird, spart ein Vielfaches an Kosten während der Bauphase.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die präzise Mengen- und Kostenermittlung. Aus dem digitalen Modell lassen sich exakte Materiallisten generieren. Dies verhindert teure Fehlbestellungen und optimiert die Logistik. Zudem ermöglicht das Modell eine transparente und kontinuierliche Kostenkontrolle während des gesamten Projekts. Schliesslich verbessert BIM die Koordination und Kommunikation zwischen allen Beteiligten, was die Effizienz steigert und Fehlerquellen minimiert. Die 15% sind ein Richtwert für das Potenzial, das durch die Vermeidung von Fehlern, die Optimierung von Prozessen und die Verbesserung der Planungsqualität gehoben werden kann. Es ist die Umstellung von einer reaktiven, problemorientierten Bauweise zu einem proaktiven, simulationsbasierten Vorgehen.

Bewerten Sie daher bei der nächsten Quartierentwicklung nicht nur die Pläne und die Architektur, sondern fragen Sie kritisch nach den Mechanismen, die soziale Durchmischung, bezahlbaren Wohnraum und echte Lebensqualität für alle Bewohner langfristig sichern sollen. Denn eine Stadt ist erst dann wirklich „smart“, wenn sie sozial gerecht ist.

Geschrieben von Regula Mächler, Regula Mächler ist Fachanwältin für Bau- und Immobilienrecht sowie diplomierte Raumplanerin. Sie vertritt seit über 20 Jahren die Interessen von Mietern, Stockwerkeigentümern und Bauherren in komplexen rechtlichen Auseinandersetzungen.